Neuberger spielen bei DVM vorne mit! –ausführlicher Bericht

Titelfoto v. l. n. r.: Ole Pomrehn, Adam Baranyai, Alexis Buchinger, Richard Bethke, Emil Eull, Claas Marten Feick, Jan Niklas Kolzenburg

Vom 26. bis zum 30.12.2023 fanden in Magdeburg die Deutschen Vereinsmeisterschaften der Altersklassen U10 bis U20 statt. Die Schachfreunde Neuberg waren natürlich auch mit am Start, da es keine U18-Kategorie gab, mit einer eher jungen Mannschaft in der U20. Sie bestand aus Richard Bethke, Adam Baranyai, Emil Eull, Alexis Buchinger, Jan Niklas Kolzenburg, Claas Marten Feick und Ole Pomrehn sowie den beiden Betreuerinnen Sonia Feick und Susanne Buchinger.

Nach der kurzen Ankündigung soll hier nun endlich der ausführliche Bericht folgen, bevor die neue Saison mit den Hessischen Mannschaftsmeisterschaften im Juni wieder startet. Natürlich gibt es jede Menge Fotos und von jedem Spieler eine Partie.

Einleitung

Die Anreise am 26.12. verlief problemlos und als sollte es ein gutes Omen sein, kamen beide Neuberger Autos nahezu gleichzeitig in der Magdeburger Tiefgarage an.

Das sollte zum Glück kein Symbolbild für unser Turnier werden.
Das schon eher.

Auf der Hinfahrt wurde sich von einigen natürlich auch noch fleißig vorbereitet, um die Gegner direkt in der Eröffnung vernichten zu können.

Der Einige

Nach dem Einchecken und dem ersten Abendessen – achso, Moment mal! In der U20 und auch U20w gab es für die Teilnehmer leider nur Frühstück, weil wir in einem anderen Hotel untergebracht waren. Somit versuchten wir unser Glück am ersten Abend auf dem noch geöffneten Magdeburger Weihnachtsmarkt, der uns wie erwartet unglaublich preiswert verpflegen konnte.

Das Frühstück war aber recht gut! Mjamjam…

Dabei konnten wir natürlich auch Magdeburg erkunden. Die Lichterspiele waren sehenswert!

Auf der Eröffnungsfeier wurden bereits erste Ansagen gemacht und einige Ehrungen vorgenommen. Anschließend bot die Betreuerbesprechung für Jan Niklas und Richard die erste Möglichkeit, sich mit dem Turniermaterial einzuspielen, weswegen wir uns für die erste Runde schon mal gute Hoffnungen machen konnten.

Aufwärmprogramm

Ein erster Schock folgte sogleich, denn mit der Gleichberechtigung ist hier etwas übertrieben worden, mussten wir doch eine halbe Stunde vor der U20w aufstehen. Spaß beiseite, die verzögerten Startzeiten im Turniersaal klappten tatsächlich erstaunlich gut, was sicherlich auch dem souverän agierenden Schiedsrichterteam zu verdanken war.

Am 27. ging es also mit den ersten beiden Runden los und wir erhofften uns natürlich zwei Siege, um als Fünftgesetzter Chancen aufs Treppchen zu haben. Das Spiellokal, die Johanniskirche Magdeburg, sah von außen unscheinbar aus, war aber tatsächlich sehr schön:

Johanniskirche von außen
Aus anderer Perspektive schon besser…

Auch für einen Analyseraum mit schöner Aussicht war gesorgt, nur ein Fernglas hatten wir leider nicht dabei:

Runde 1

In der ersten Runde spielten wir gegen die SF HN-Biberach 1978 und erledigten unsere Aufgabe mit einem 4,5:1,5-Sieg pflichtbewusst. Insbesondere Jan Niklas’ und Claas’ Partien waren sehenswert:

Stimmiges Farbkonzept dank Neuberger Merch!

Runde 2

Vor der zweiten Runde kam dann der Schock: Wir sollten noch am ersten Tag gegen die SG Porz, mit Hamburg mit Abstand Favorit auf den Titel, spielen! Bis auf Brett 1 waren uns die Porzer DWZ-mäßig teilweise hoch überlegen, trotzdem wollten wir kämpfen.

Gemischte Gefühle vor der zweiten Runde

Leider verlor ausgerechnet Richard in einer komplexen Najdorf-Variante mit Weiß einen wichtigen Zentralbauern, wonach er seinem Gegner FM Alexander Suvorov (2328 DWZ) nur noch wenig entgegenzusetzen hatte. Gegen dessen Bruder FM Luca Suvorov (2327 DWZ) konnte Adam dafür mit Schwarz in einer spannenden Holländisch-Partie Remis halten, nachdem er in der Eröffnung das wünschenswerte …h5-h4 hinbekommen hatte. Alexis’ Stellung gegen Christian Gluma (2199 DWZ) sah lange Zeit nicht gerade vielversprechend aus, da sein Läufer fürchterlich aussah, doch er bewies Kampfgeist und als das ungleichfarbige Läuferendspiel erreicht war, reichten sich die Kontrahenten die Hände. Ole hielt sich die ersten 24 Züge gut in der Partie, doch wie auch bei Claas an Brett 6 machte sich hier schließlich der Spielstärkeunterschied zum Gegner bemerkbar. Eine der längsten Partien des ganzen Saales spielte Emil gegen Jonas Gallasch (DWZ 2267). In der Eröffnung rochierte Emil zum Entsetzen seiner Teammitglieder gegen Königsindisch lang, wobei eine kleine Verwechslung zur Partie Dinara Wagner – Melanie Lubbe vom German Masters der Frauen vorlag. Der starke Porzer fand aber nicht die richtige Fortsetzung und Emil gewann einen Bauern, den er nach 80 Zügen im Turmendspiel auch gewinnbringend einsetzen konnte.

Adam “begutachtet” Emils Eröffnungsbehandlung (noch vor 0-0-0)

Runde 3

Zu Beginn des dritten Tages konnten wir dann zeigen, welchen Titel wir auf jeden Fall verdienten: Den der pünktlichsten Mannschaft! Frei nach dem bekannten Spruch “17 Minuten vor der Zeit ist der Neuberger Pünktlichkeit” waren wir tatsächlich als erste Mannschaft im Spiellokal, was die Gelegenheit für weitere Fotos bot.

Während der dritten Runde musste Emil erst mal verschiedenen Leuten erklären, dass 0-0-0 nicht vorbereitet gewesen sei (“Du hast das so selbstbewusst gespielt…”). Dazu blieb auch genug Zeit, denn sein fast 1900 DWZ starker Gegner vom USC Chemnitz beantwortete sein Caro-Kann mit dem scharfen Shirov-Angriff, kannte dann aber die Theorie der Hauptvariante nicht, was dazu führte, dass Emil zeitweise über eineinhalb Stunden (!!) mehr Zeit hatte. Der schnelle Sieg nach 16 Zügen stand sinnbildlich für das Neuberger Auftreten, denn mit 5,5:0,5 lief diese Runde recht deutlich. Richard konnte seinen Fehlstart egalisieren, während Alexis und Jan Niklas wie auch Emil ungefährdete Siege einfahren konnten, wenngleich sie dafür etwas tun mussten. Ordentlich zittern ließ uns Adam, der in für ihn untypischer Manier seinen Turm auf a1 “opferte”, doch nicht nachgab und dafür letztendlich belohnt wurde. Claas kam in einer energisch geführten Angriffspartie leider nicht über ein Remis hinaus, aber die Hauptsache war doch, dass wir wieder voll im Turnier waren.

Runde 4

Als Drittplatzierter gingen wir in die vierte Runde, ein Zwischenstand, den wir gerne bis zum Turnierende halten wollten. Unser Gegner, der FC Ergolding 1932, schien auf den ersten Blick schlagbar, doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Richards Gegner konnte die weißen Gewinnversuche egalisieren und in ein ausgeglichenes Bauernendspiel abwickeln, woraufhin Richard unerfreut in ein Remis einlenkte. Adam und Emil konnten beide wichtige Siege gegen knapp 2000 DWZ starke Gegner einfahren, Adam kämpferisch mit Schwarz im Endspiel, Emil nach spontaner Vorbereitung auf dem Weg zur Kirche, die ca. drei Züge umfasste, in einer Angriffspartie mit schönem Zeitnotfinale. Es war also noch ein Punkt aus den letzten drei Partien nötig. Leider mussten die Bretter vier bis sechs alle nach ungenauer Eröffnungsbehandlung ums Remis kämpfen, was letztendlich leider nur (aber immerhin) Ole gelang, sodass der Endstand ein 3:3-Unentschieden war. Noch war aber alles offen!

Am Abend begannen wir die Suche nach bezahlbarem Essen und stießen auf einen Online-Lieferdienst, der uns eine Familienpizza in der Größe eines Tellers zu bieten hatte. Im Gegensatz zu dem am nächsten Tag kam er aber immerhin. Unserer Vorbereitung sollte das hoffentlich nicht schaden…

Natürlich wieder toppünktlich!
Solche Mannschaftsfotos sind dann doch eher selten möglich

Runde 5

Die Auslosung der fünften Runde bescherte uns den SK Münster 32, der an allen Brettern eine DWZ von über 2000 aufweisen konnte und damit recht breit aufgestellt war, während wir tendenziell einen etwas größeren Fokus auf den vorderen Brettern hatten, weswegen diese punkten sollten. Richard und Adam kamen dieser Aufgabe bravourös nach. Adams Partie mit dem Rossolimo-Angriff, den er auf der Autofahrt noch vorbereitet hatte, kann sich aufgrund ihres teilweise ungewöhnlichen Materialverhältnisses sehen lassen:

Damit blieb Adam mit 4,5/5 Punkten der Punktegarant der Mannschaft! Emil, der bisher 100% geholt hatte, wollte natürlich nachziehen, doch leider fand er in einer scharfen Caro-Kann-Variante nicht die richtigen Antworten auf einen gegnerischen Fehler und verlor in der Folge schmerzhaft. Leider konnten wir auch an den hinteren Brettern nicht gerade brillieren, sodass diese Runde eher zum Vergessen war. Nach diesem schmerzhaften 2:4 mussten wir uns anstrengen, um von Platz 6 noch auf die Medaillenränge kommen zu können!

Runde 6

Gegen KSV Rochade Göttingen sollte jetzt ein Sieg her. Das Muster der letzten Runde wiederholte sich, Richard gewann pflichtgemäß gegen Alexander Kanzow (DWZ 2007), während Adams Gegner Antal Mimkes (1976 DWZ) die Eröffnung mit einem frühen (3. Zug!) a4 gegen Sizilianisch eher zweifelhaft behandelte und sehenswert bestraft wurde. Doch auch Alexis konnte jetzt eine insgesamt stark gespielte Partie gewinnen, nach einem frühen Figurenopfer auf g4 kämpfte sich seine Gegnerin zwar noch ins Endspiel, dort entschied dann aber Alexis’ Mehrmaterial.

Emil wollte nach 1.c4 und 1.d4 auch mal 1.e4 ausprobieren, doch wie fortgeschrittene Schachspieler wissen sollten, ist dieser Zug bereits ungenau und in der Folge brach Emil nicht so recht gewinnbringend durch. Kurz nach der Zeitkontrolle musste Gegner Pavel Mimkes (1946 DWZ) die Dame opfern, um einem Dauerschach zu entgehen, doch das entstehende Endspiel Dame + 2 Bauern vs. Turm + Springer + 4 Bauern stellte sich als praktisch zu unangenehm heraus. Ein echtes Drama gab es bei Jan Niklas, der David Tulchynsky (1796 DWZ), der aufmerksamen Lesern noch aus dem letztjährigen Bericht bekannt sein dürfte, mit der Python (schnapp) langsam erwürgte, dann aber im entscheidenden Moment einen Blackout hatte und es versäumte, den schwarzen Springer zurückzuschlagen, was die Partie zu einem abrupten Ende führte. Claas hatte gegen das Morra-Gambit leider ebenfalls einen gebrauchten Tag erwischt, sodass wir über ein 3:3 nicht hinauskamen.

Von diesem Ergebnis ziemlich enttäuscht, stellten wir beim Blick auf die Tabelle aber fest, dass wir (wenn auch punktgleich mit dem Tabellenzwölften) immer noch Platz sechs belegten und mit einem Sieg in der letzten Runde rechnerisch sogar noch Platz drei erreichen konnten, wofür die Flaute an den Brettern 3, 5 und 6 von Tag 3 aber enden musste.

Spätestens jetzt wurde aber der ganzen Mannschaft der “Bingöl-Grill” bekannt, der uns etwas Essbares liefern konnte, sodass wir gestärkt in die letzte Runde gehen konnten.

Runde 7

Mit dem SV Königsjäger Süd-West bekamen wir mit Platz 10 der Setzrangliste nicht den Gegner, den man in der letzten Runde erwarten würde, aber das war unserem Spiel in den vorherigen drei Runden geschuldet. Umso motivierter gingen wir in die letzte Runde, um Ergebniskorrektur zu betreiben.

Kurzen Prozess machte Richard, der seinen Gegner ziemlich schnell abfertigte:

Adam ging überraschend früh in ein Endspiel, doch beflügelt von den Aussichten auf einen Brettpreis spielte er dieses überzeugend und konnte kurz vor der Zeitkontrolle die Bauernumwandlung erzwingen, wodurch er auch als Topscorer der Mannschaft (6,5/7 !) feststand. Emil hatte sich wieder etwas der Form der ersten vier Runden angenähert und ließ seinem Gegner in einer Karlsbader Struktur mit Schwarz nie Chancen auf Vorteil, obwohl der Sieg nach einer verpassten, aber relativ einfachen Krönung seines Angriffs mit …Lxg2 kurzzeitig gefährdet war.

“Aaah! Es ging doch …Lxg2!” (Symbolbild)

Alexis kam mit großem Raumvorteil aus der Eröffnung und konnte mit seinem Sieg den Mannschaftssieg sichern. Doch es kam noch auf jeden Brettpunkt an. Hier konnte Ole mit riesigem Kampfgeist mit seinem Remis gegen Jonas Liu (1802 DWZ und bisher 100%!) einen wichtigen Beitrag zur Sonneborn-Berger-Wertung liefern:

Claas supportet Ole natürlich bis zum Schluss

Letztendlich zogen wir mit diesem 4,5:1,5 mindestens auf Platz fünf, für den Rest waren die anderen Mannschaften verantwortlich.

Schluss

Da der SK Lehrte und der SK König Plauen sich nicht remis trennten, war schon klar, dass es für den dritten Platz nicht reichte, doch bis zur Siegerehrung waren wir der Meinung, dass wir mit Platz fünf “nur” unseren Setzlistenplatz bestätigt hatten.

Endtabelle

Doch in der Endtabelle auf der Website waren anscheinend noch nicht alle Feinwertungen aktualisiert worden und als wir als Vierter aufgerufen wurden, konnten wir uns doch noch darüber freuen. Ein solches Ergebnis gab es schließlich zuletzt 2009 und 2005, siehe hier!

Fröhliche Gesichter bei der Siegerehrung
Einzelergebnisse

Von allen Einzelergebnissen war Adam klar am erfolgreichsten, mit 6,5/7 konnte er sich souverän den Brettpreis an Brett 2 sichern!

Die Rückfahrt verlief dann zumindest in Sonias Auto etwas spannender, weil das Navi uns statt über die Autobahn durch dunkle Wälder lotste. Immerhin konnten die Schachspieler so auch mal die Natur in Form von Rehen beobachten.

Insgesamt war das Turnier für die Mannschaft eine tolle Erfahrung und nächstes Jahr werden alle Mitglieder noch jung genug sein, um erneut teilzunehmen, sodass dann der dritte Platz angestrebt werden kann. Das wäre das beste DVM-Ergebnis in der Neuberger Vereinsgeschichte.

Ein Dank geht natürlich an die betreuenden Eltern Sonia und Susanne sowie an alle, die das Turnier möglich gemacht haben!

Hier gibt es alle Ergebnisse bei der Deutschen Schachjugend.