Neuberger U16 bei der DVM

Mannschaftsfoto der U16-Mannschaft: Jason Kaiser, Norbert Heck, Emil Eull, Ole Pomrehn, Alexis Buchinger

(Auf dem Foto v. l. n. r.: Jason Kaiser, Norbert Heck, Emil Eull, Ole Pomrehn; vorne: Alexis Buchinger)

Bereits am zweiten Weihnachtsfeiertag machte sich eine Neuberger Delegation auf den Weg nach Darmstadt, um vom 26.-30.12.2022 an der in der dortigen Jugendherberge ausgetragenen Deutschen Vereinsmeisterschaft (DVM) in der Altersklasse U16 teilzunehmen. Der Fahrtweg war angenehm kurz, sodass wir alle Kräfte auf das Schachspielen konzentrieren konnten.

Nach der nicht ganz einfachen Qualifikation über die Hessische Mannschafts- und Mitteldeutsche Vereinsmeisterschaft freuten wir uns zunächst, überhaupt wieder an der DVM teilnehmen zu können. Bezüglich der Aufstellung hatten wir uns entschieden, Alexis als U12-Talent an Brett 1 zu setzen. Die Mannschaft bestand also aus Alexis Buchinger, Emil Eull, Jason Kaiser und Ole Pomrehn. Als Trainer vor Ort stellte sich Norbert Heck netterweise wieder zur Verfügung. Zusätzlich reiste Susanne Buchinger als Betreuerin mit.

In der ersten Runde wollten wir direkt mit einem starken Sieg loslegen, nachdem wir am Vorabend noch von Platz 11 auf Platz 10 der Setzliste hochgerutscht waren, was die erste Runde erleichtern sollte, da wir so gegen die Letztgesetzen der 20 Mannschaften spielen mussten.

Runde 1

In der ersten Runde ging es also gegen den FC Ergolding. Jason verbrauchte sehr viel Zeit und als seine Gegnerin mit einer starken Taktik ihren Läufer reaktivierte, nahm er im 22. Zug das Remisangebot an. Ole steuerte ebenfalls ein Remis für die Mannschaft bei, sodass es an den ersten beiden Brettern hing. Nachdem Emils Gegner, der an Brett 2 deutlich weniger Ratingpunkte aufweisen konnte, lange Zeit recht gut mitgehalten hatte, stellte er schließlich unter stärker werdendem Druck einen Bauern und die Partie ein. Alexis bekam nach einem wechselhaften Partieverlauf schließlich eine Dauerschachsituation aufs Brett und willigte ins Remis ein, was einen 2,5:1,5-Sieg bedeutete. Das war zwar nur ein knapper Sieg, aber doch ein guter Start ins Turnier!

Runde 2

In der zweiten Runde konnten wir schon an den 3. Tisch im etwas größeren und damit komfortableren Spielsaal. Mit den Schachfreunden Nordost Berlin wartete ein stärkerer Gegner, aber umso größer war die Motivation!
Alexis steuerte mit Schwarz ein sicheres Remis bei. Bei Ole wurden in den ersten 20 Zügen viele Figuren abgetauscht, sodass das entstehende Endspiel ebenfalls remis war. Jason nutzte in der Eröffnung eine Nachlässigkeit seines Gegners aus und schwächte die gegnerische Königsstellung. Leider wählte er in der Folge den falschen Bauern zum Zentrumsdurchbruch und fand sich in einem schlechteren Endspiel wieder, das sein Gegner sicher verwertete. Emil spielte ein Gambit und bekam überwältigende Kompensation, als sein Gegner von der Theorie abwich. Leider verpasste er die richtige Gelegenheit, Linien zu öffnen, und ließ seinen Gegner entwischen. In der anschließenden Zeitnot ging es wild hin und her und zwischenzeitlich stand auch sein Gegner auf Gewinn. Am Ende konnte er aber den gegnerischen a-Bauern erobern und in ein gewonnenes Damenendspiel abwickeln. Nach dieser sehr langen Partie war das Unentschieden gesichert.

Runde 3

Für uns ging es direkt an Tisch 3 weiter, diesmal gegen Vaterstetten-Grasbrunn. Alexis war sehr lange vorbereitet und ließ seinen Gegner kaum Land sehen. Am Ende drang er mit Turm und Springer sehenswert in die geschwächte gegnerische Königsstellung ein und erzwang die Aufgabe.

Jason hatte leider wieder kein Glück mit der Zeit: Seit Zug 23 hatte er unter zehn Minuten zur Verfügung und spielte die letzten zehn Züge vor der Zeitkontrolle nur noch mit dem Inkrement. Gerade als er den 40. Zug geschafft und alles nach einem Remis aussah (zwischendurch war auch ein Sieg drin, der aber in so großer Zeitnot kaum zu sehen war), übersah er im 41. Zug den drohenden Gewinnzug des Gegners und musste die Partie aufgeben. Ole setzte seinen Gegner mit den schwarzen Steinen aktiv unter Druck. Leider hatte auch er ab Zug 22 nur noch drei Minuten zur Verfügung, was dazu führt, dass er eine Taktik übersah und ebenfalls aufgeben musste. Emil ging nach einem frühen Damentausch in ein Endspiel über, in dem er seinen Gegner unter Druck setzen und einen Bauern gewinnen konnte. Das entstehende Turmendspiel konnte er sauber verwerten. Es hieß also wieder: 2:2 und noch alles drin!

Runde 4

In der vierten Runde wartete die Nummer 3 der Setzliste, der Hamburger SK, auf uns. Da wir aber die Hamburger schon bei der DVM 2020 in der ersten Runde unerwartet besiegen konnten, hatten wir keine Angst und große Ziele.
Diesmal war Emil früh fertig: Nach einer ungenauen Eröffnungsbehandlung seines Gegners konnte er einiges an Material einsammeln und einen schnellen Sieg erspielen. Alexis hatte einen starken Gegner, der ihn in der Eröffnung unter Druck setzte, sodass es nicht gut für ihn aussah. Er gab aber nicht auf und kämpfte sich zurück, bis die Partie in einem Turmendspiel mündete. In diesem zeigte er eine sichere Technik und ließ sich das Remis nicht mehr nehmen. Es sah also ziemlich gut für uns aus.

Oles Gegner behandelte die Eröffnung gut. Trotzdem spielte Ole solide, verpasste aber leider in einem Moment die Chance auf Ausgleich und fand sich in einem verlorenen Endspiel wieder. Wieder war die geringe Zeit mit im Spiel. Nun kam also alles auf Jason an. Dieser hatte seinem Gegner mit Schwarz in der Eröffnung schnell einen Bauern abgeluchst und in der Folge seinen Vorteil mit kraftvollen Zügen verstärkt. Auch in der Folge behielt Jason seinen Mehrbauern und fand sich schlussendlich in einem Turm+Läufer-Endspiel mit zwei Mehrbauern wieder. Die Verwertung des Vorteils gestaltete sich jedoch als nicht ganz einfach; trotzdem sollte es mindestens ein Remis sein, aber natürlich versuchte Jason, den Sieg für sich und die Mannschaft zu erlangen. Leider verlor er dabei seine beiden Mehrbauern. Er hatte aber immer noch Siegchancen. Unglücklicherweise vergaß er im Eifer des Gefechts die Uhr und seine Zeit lief ab.
Das bedeutete eine sehr unglückliche 1,5:2,5-Niederlage für uns und nahm uns im weiteren Turnierverlauf irgendwie die Kraft. Der Zwischenstand war aber trotzdem zufriedenstellend: 4:4 Mannschaftspunkte bei 8:8 Brettpunkten.

Runde 5

In der fünften Runde wartete mit KSV Rochade Göttingen (Veltheim) ein vermeintlich um einiges leichterer Gegner auf uns. In Alexis’ Partie kam eine ähnliche Eröffnung wie in der vierten Runde aufs Brett, nur dass Alexis diesmal die weißen Steine führte und seinen Gegner ordentlich bedrängte. Dieser verteidigte sich allerdings cool und konnte am Ende mit einem – zugegebenermaßen sehr schönen Damenopfer – das Matt erzwingen.

Jason hatte wirklich Pech. Er konnte in der Eröffnung früh Linien gegen den gegnerischen König öffnen und hätte einen starken Angriff gehabt. Leider übersah er dann eine Taktik, die ihn eine Figur und schlussendlich die Partie kostete. Emil konnte über die gesamte Partie einen strategischen Plan verfolgen – den gegnerischen Fianchetto-Läufer mit eigenen und gegnerischen Bauern einzusperren. Tatsächlich öffnete sich dann der Damenflügel und im entstehenden Endspiel hatte er quasi eine Figur mehr – ein Punkt für Neuberg.

Ole bewies in seiner Partie wahren Kampfgeist. Nach solider Eröffnungsbehandlung und schwächenden Bauernzügen seines Gegners schaffte dieser es, wieder eine bessere Stellung zu erhalten, worauf Ole es schaffte, ins ausgeglichene Turm+Dame-Endspiel abzuwickeln. Weiter ging es in ein Turmendspiel, indem Oles König aber unangenehm abgeschnitten und eine Verteidigung sehr schwierig war. Der letzte spielende Neuberger kämpfte aber weiter, bis sein Gegner patzte und ins Bauernendspiel abwickelte, welches sich als gewonnen für Ole herausstellte. Den Sieg ließ er sich nicht mehr nehmen. Das bedeutete ein 2:2 und im Zwischenstand 5:5 Mannschafts- und 10:10 Brettpunkte, was immer noch völlig in Ordnung war.

Runde 6

In der nächsten Runde ging es gegen VfB Schach Leipzig, ein harter Gegner, aber Brett 2 setzte aus (die Leipziger waren zu fünft), sodass Chancen durchaus bestanden. Alexis hatte mit den schwarzen Steinen einen starken Gegner erwischt, ließ sich davon aber nicht beeindrucken und glich sicher aus. Die Partie ging in ein Turm- und schließlich Bauernendspiel über, das er noch kämpferisch auf Sieg spielte. Im Endeffekt war aber nichts mehr zu machen und die Partie endete remis. Jason geriet früh in der Eröffnung unter starken Druck. Irgendwann ließ sich die Stellung nicht mehr zusammenhalten. Ole verbesserte nach nächtlichem Training seine Eröffnung aus der vierten Runde und erreichte eine ordentliche Stellung. Leider stellte er genau dann einen Bauern ein. Danach war die Partie nicht mehr zu retten. Emils Partie verlief zuerst wieder recht typisch: Er setzte seinen Gegner aus einer minimal besseren Stellung unter Druck und provozierte schließlich einen Einsteller. Allerdings hatte er seit Zug 23 nur noch zwölf Minuten zur Verfügung gehabt und kurz vor der Zeitkontrolle befanden sich beide Seiten in Zeitnot. Gerade als der Sieg auf dem Brett stand, hatte er leider einen Aussetzer und stellte die Partie ein. Das bedeutete auch für ihn die erste Niederlage des Turniers und für die Mannschaft leider, dass es nicht mehr mehr als 50% werden konnten.

Runde 7

Gegen König Plauen war die Motivation nun irgendwie weg. Bei Alexis sah er erst sehr gut aus: Er gewann sehr früh eine Qualität und hatte auch danach druckreiches Angriffsspiel gegen den gegnerischen König. Trotz seiner Zeitnot verteidigte sich sein Gegner aber sehr zäh, bis schließlich auch bei Alexis die Zeitnot einsetzte und die Partie in ein verlorenes Endspiel entglitt, in dem die gegnerischen Leichtfiguren einfach zu stark für den Turm waren. Jason wollte seinen Gegner am Königsflügel angehen, tauschte dann aber im Zentrum ein Bauernpaar, wodurch sein Gegner viele taktische Motive hatte und gewinnen konnte. Emil glich mit Schwarz nach der Eröffnung sicher aus, das entstehende Endspiel war aber totremis. Er wickelte in ein gleichfarbiges Läuferendspiel ab und versuchte noch einige Tricks, doch sein Gegner ließ sich nicht beirren und erzwang am Ende ein Remis im 82. Zug. Ole verzichtete sehr mannschaftsdienlich auf ein Remis in nicht ganz klarer Stellung. Sein Gegner schaffte es jedoch, die Stellung aufzubrechen und Bauern zu gewinnen. Das bedeutete ein 0,5:3,5 und einen Rückfall auf den 18. Tabellenplatz.

Fazit

Trotz des unglücklichen Endergebnisses konnten wir in den ersten fünf Runden zeigen, dass wir mit den besten Mannschaften Deutschlands auf Augenhöhe spielen können. Auch konnten wichtige Anregungen für das Training gewonnen werden, speziell mit der Zeit gab es noch häufig Probleme. Auch wenn die Einzelergebnisse für manchen vielleicht unglücklich waren, gab es bei den meisten Niederlagen auch Chancen, die in Zukunft nur noch genutzt werden müssen. Die Mannschaft freut sich schon auf die Turniere in der nächsten Saison, auch wenn Emil, Ole und Felix Feng, der bei der DVM verhindert war, dann nicht mehr in der U16 spielen können werden.

Die Mannschaft möchte besonders Norbert dafür danken, dass er wieder – wie bei der DVM 2018 (damals U12!) – schachlich unterstützte und die Vor- und Nachbereitung durchführte! Auch vielen Dank an Jugendkoordinator Jan Niklas Kolzenburg für die Organisation im Vorfeld.

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